Berichte - Grund- und Mittelschule Bad Griesbach

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Bericht der Vizepräsidentin des BLLV Waltraud Lucic
Sie verbrachte ihre Sommerferien 2010 im Kinderhaus in Ayacucho


Kinderhände, Kinderlachen, Kinderhoffnung! Peruanische Mädchen und Jungen bei der Hausaufgabenbetreuung, der Freizeitgestaltung und beim Gespräch zeigt der Terminkalender der Kinderhilfe. Wunderschöne Fotos, die unser Ehrenpräsident Dr. Albin Dannhäuser im BLLV-Kinderhaus Casadeni in Ayacucho gemacht hat.



München – Amsterdam – Lima – Ayacucho. Auf diesen Weg mache ich mich in den Sommerferien. Ayacucho liegt eine faszinierende Flugstunde über die Anden, südlich von der Hauptstadt Lima entfernt, auf einer Höhe von 2761 Metern über dem Meeresspiegel. Der Mangel an Sauerstoff machte mir anfangs etwas zu schaffen.
Das Kinderhaus liegt in einer der ärmsten Gegenden Perus, in Ayacucho, das 200 000 Einwohner hat. Ayacucho war eine der am stärksten durch den Terror des Sendero Luminoso betroffenen Städte. Mord, Vergewaltigungen, Hunger und Gewalt standen vor 15 Jahren auf der Tagesordnung. Die harte Zeit steht noch heute in den Gesichtern der Menschen geschrieben.
In Casadeni finden die Kinder eine Heimat. Sie werden über ihre Rechte aufgeklärt, erhalten Hausaufgabenhilfe, werken, singen, musizieren, tanzen, spielen und bekommen Hilfe in allen Notsituationen.


Mein Vorhaben für die sechs Wochen war, die Nähstube wieder zum Leben zu bringen. Dazu hat der BLLV Nähmaschinen, Nähmaterial und -werkzeug gekauft. Und tatsächlich drängen sich die Kinder in die Nähstube. Das Alter spielt keine Rolle. Jasemin muss an der Nähmaschine stehen, weil sie sonst nicht mit ihren kurzen Füßen an das Tretpedal kommt. „Lass mich bitte auch eine „caltuchera“ nähen, ich hab nichts für meine Stifte!“ Augenklimpern und ein Schmatz zur Begrüßung auf die Wange überzeugen mich, dass auch ein sechsjähriges Kind mit der Nähmaschine umgehen kann. Und sie können es. Sie nähen Tag für Tag, Stunde um Stunde, Samstag und Sonntag. Ein Organisationsplan sorgt dafür, dass jeder dran kommt und die Nähstube nicht aus allen Nähten platzt. 30 Kinder, von 6 bis 16 Jahren, hätten dies beinahe geschafft.

Janet, Rahida und Brenda unterstützen sich an der Nähmaschine


Am Samstag besuchen die Lehrer und Sozialarbeiter von Casadeni die Kinder an ihren Arbeitsstellen: auf den Märkten und am Friedhof. Dort treffe ich Jimi mit einer Sackkarre. Er arbeitet von 4 Uhr  bis um 11 Uhr auf dem Markt. Am Nachmittag geht er zur Schule und dann kommt er in Casadenis Nähstube. Er nähte diese Woche einen Ball bei mir. Jimi ist stolz, dass er Besuch bekommt. Ich bin erschrocken darüber, wie ein schätzungsweise zehnjähriger Junge eine so große Last tragen kann. „Das ist doch nicht schlimm, profesora, ich bin doch schon 15!“ Da fällt mir ein, dass mir die Leiterin von Casadeni, Mariela erzählte, dass sie die Kinder darüber aufklären, dass sie nicht zu schwer tragen dürften, da sie ansonsten nicht wachsen würden. Jimi konnte dies wohl nicht befolgen.

Jimi arbeitet 7 Stunden am Markt, bevor er zur Schule geht
Das Musizieren ist für den 15-Jährigen ein Ausgleich für seinen harten Alltag


Zu einigen Gesichtern in dem Terminkalender kenne ich nun Geschichten. Geschichten von Kindern, die sich abmühen, die Verantwortung für die Familie übernehmen, die verzichten müssen und uns in Casadeni immer ein Lachen schenken. Und wir lachen mit ihnen. „Profesora, warum hast du so eine weiße, weiche Haut?“ „Deine Kleidung ist immer so sauber, du wäscht die jeden Tag, oder?“ Diese und viele anderen Fragen beantworten Tag für Tag drei Lehrer und zwei Sozialarbeiter im BLLV-Kinderhaus.


 
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